Seemannsgarn Seemannsgeschichten Paloma Mittelmeer

Seemannsgarn

sind Erzählungen der Seeleute über deren (angebliche) Erlebnisse.

Das Schiemannsgarn wurde aus alten Tauen gewonnen und von den Seeleuten dazu benutzt, Leinen und Trossen zu umwickeln. Schiemannsgarn drehen oder Schiemannsgarn spinnen war auf Segelschiffen eine untergeordnete Arbeit, die bei Schönwetter erledigt wurde. Weil sie recht langweilig war, erzählten sich die Seeleute unterdessen, was sie erlebt hatten und worüber sie sich Gedanken machten. Auf diese Weise bekam Schiemannsgarn spinnen mit der Zeit eine andere Bedeutung: das Erzählen wurde Hauptsache, die Arbeit Nebensache, bis man das Erzählen allein so bezeichnete.

Stellt man sich die unzumutbaren hygienischen Bedingungen vor, tropische Krankheiten und schlechte Ernährung (madiges Pökelfleisch, verfaultes Wasser ), so kann man sich gut die psychisch und physisch angespannte Stimmung zwischen den Männern vorstellen. Dazu waren sie auf ihren langen Reisen häufig Stürmen und den Gefahren des Meeres ausgesetzt. Matrosen verloren oben im Mast den Halt und stürzten aufs Deck oder gingen bei Unwetter über Bord und ertranken - das Sterben gehörte viele Jahrhunderte zum Alltag auf See. In dieser Atmosphäre wuchs jede Form von Aberglauben. Die oft leichtgläubige Besatzung sog Geschichten und Sagen von Geisterschiffen, Kobolden und Seeungeheuern förmlich auf.

Ein bei Seefahrern weit verbreiteter Aberglaube ist der vom Klabautermann, einem guten Schiffgeist.

Der Klabautermann

Kalfatermann oder Klabattermann ist im seemännischen Aberglauben ein Schiffsgeist oder Kobolt, der – meist unsichtbar – den Kapitän vor Gefahren warnt. Der Klabautermann hilft beim Schiffsbau, beim Dichten des Schiffsdecks und treibt gerne Schabernack. An Bord macht er sich durch Polter- und Bumsgeräusche bemerkbar. Man sagt: „Wenn er klopft, bleibt er, wenn er hobelt, geht er.“ Sein Aussehen gleicht dem eines Matrosen – mit Hammer und Pfeife, manchmal auch mit Seemannskiste, mit roten Haaren und grünen Zähnen. Zeigt er sich, so ist dies ein schlechtes Zeichen. Er verlässt das Schiff erst, wenn es untergeht. Laut einem alten Seemannsbrauch gehört auf jedes Schiff ein Huhn zur Abschreckung des Klabautermanns.

Der fliegende Holländer

Um das Jahr 1641 versuchte der Kapitän eines niederländischen Schiffes das Kap der Guten Hoffnung zu umsegeln. Es herrschte aber ein unbarmherziger Sturm und das Meer war tosend und rau. Nach wochenlangen Versuchen das Kap zu umsegeln, wollte die Mannschaft des Schiffes aufgeben und lieber in Kapstadt an Land gehen. Aber nicht der Kapitän. Er fluchte gegen Gott und die Welt, dass er nicht eher aufgeben wolle, bis er das Kap umschifft habe, und wenn es bis zum jüngsten Tag dauern sollte. Als Strafe für diese Gotteslästerung wurde das Schiff zum ewigen Segeln auf allen Meeren verdammt.

Das sagenumwobene Geisterschiff kann gegen den Sturm oder bei absoluter Flaute segeln und plötzlich aus den Tiefen des Meeres auftauchen. Seeleute, die dem Geisterschiff angeblich begegneten, berichteten davon, dass das Deck  des Seglers entweder leer, nur mit Toten oder mit Geistern besetzt war. Manche sagen, sie hätten trotz des leeren oder mit Leichen bedeckten Decks Rufe gehört.

Die Legende ist seit etwa 1600 nachweisbar. Bis in das 17. Jahrhunderts befuhren mehr niederländische Schiffe die Meere als die übrigen europäischen Länder zusammen unter Segeln hatten. Das Kap der Guten Hoffnung gilt für die Schifffahrt als sehr gefährliche Gegend. Allein in der Tafelbai (nordwestlich vom Kap der Guten Hoffnung) fanden Taucher mehr als 300 Segelschiffsrümpfe.

 „Geisterschiffe“ waren oft genug Realität. Pest, Skorbut und Seuchen rafften ganze Schiffsbesatzungen dahin. Ein Teil der Mannschaft starb oder war zu schwach, um an Bord noch arbeiten zu können. Der Rest der Crew konnte das Schiff nicht mehr steuern, beziehungsweise die Segel nicht mehr bedienen. Selbst wenn die überlebende Besatzung es zum nächsten Hafen schaffte, wurde ein solches Schiff im Mittelalter aus Angst vor Ansteckungen in keinem Hafen aufgenommen. Sie mussten auf dem Meer bleiben, bis alle an Bord tot waren. Die Mannschaftsmitglieder, die am längsten überlebten, riefen vorbeifahrende Schiffe um Hilfe. Vorbeifahrende Schiffe mögen die Leichen an Deck gesehen haben und, hörten vermeintlich unheimliche, unverständliche Rufe, glaubten es mit Geistern zu tun zu haben und suchten das Weite. Schließlich wurde so ein Schiff zum „Geisterschiff“, das mit gesetzten Segeln kreuz und quer auf den Meeren unterwegs war.

Riesenkraken

Mittelmeer Geschichten
Fund von 1980
Seemannsgarn






Quelle Phoenix ZDF

Auch Jahrhunderte alte Sichtungen und Begegnungen mit Riesenkraken wurden als Seemannsgarn verspottet und ins Reich der Legenden verwiesen. Riesen-Kalmare mit Längen bis zu 20 Metern wurden aber in jüngester Zeit gefunden, eine schöne Fotostrecke der Riesenkalmare gibt es bei Spiegel Online.

 

und Monsterwellen

Lange Zeit fälschlicherweise als Seemannsgarn galten Berichte über Monsterwellen, die aus dem Nichts auftauchend, ganze Schiffe zerstören können. Zwei Ereignisse mit eindeutig dokumentierten Monsterwellen führten dazu, dass deren Existenz nicht mehr in Frage gestellt und wissenschaftliche Forschungen betrieben werden: So wurde in der Neujahrsnacht 1995 von der automatischen Wellenmessanlage der norwegischen Ölbohrplattform Draupner-E während eines Sturms in der Nordsee eine einzelne Welle mit 26 m Höhe gemeldet. Knapp zehn Monate später, am 11. September 1995, wurde der britische Luxusliner Queen Elisabeth von 2 Monsterwellen getroffen. Damit war bewiesen, dass es Monsterwellen gibt, und in den folgenden Jahren wurden Berichte und Forschungen ausgewertet. Heutzutage zweifelt niemand mehr an der Existenz von Monsterwellen.

Nymphen, Seeungeheuer und Kalypso

Skylla, der Oberkörper einer
Frau, der Unterleib sechs Hunde
Die Sirenen
Wassernymphen

die berühmtesten Geschichten von Seeungeheuern und Monstern finden sich in Homers Odysse:

Nach dem Besuch in der Schattenwelt segelt Odysseus an der Insel der Sirenen vorüber, die mit ihrem betörenden Gesang Seefahrer auf die Klippen und damit in den Tod locken. Um ihnen gefahrlos lauschen zu können, lässt sich Odysseus auf Kirkes Rat ( lat. Circe, davon bezirren = bezaubern) hin an den Mastbaum fesseln, seinen Gefährten aber die Ohren mit Wachs verschließen. Anschließend passieren sie eine Meerenge, deren Ufer von zwei Meerungeheuern beherrscht werden, nämlich von der sechsköpfigen, menschenverschlingenden Skylla und von Charybdis, die einen Strudel verursacht, in dem ganze Schiffe versinken. Odysseus lässt seine Gefährten in möglichst großer Entfernung von Charybdis und damit nahe an Skylla vorbeirudern, die sechs von ihnen verschlingt.

Ermattet und ausgehungert erreichen sie schließlich die Insel des Sonnengottes Helios. Trotz Odysseus’ Warnung schlachten die Gefährten dessen heilige Rinder. Zur Strafe kommen sie nach ihrer Abreise allesamt in einem Sturm um. Nur Odysseus kann sich auf die Insel Ogygia der Nymphe Kalypso retten. Diese hält Odysseus sieben Jahre auf ihrer Insel fest und lässt ihn erst auf Geheiß der Götter wieder ziehen.

 

Quellenangaben:

wikipedia / Albertus Seba Naturalienkabinet / Tessloffs Enzyklopedie Mythologie / Hetzel`s Kopie wikipedia / T.J. Dix und Julek Heller aus verzauberte Wesen timelife / Seeungeheuer Richard Ellis / Seeungeheur Werner Lange /